„Nebel QiGong”
Nebel QiGong
Letzte Nacht wollte ich, nach einigen Wochen Unterbrechung, draußen auf dem Balkon wieder mal QiGong üben und Nacht-Qi einatmen.
Kurz nach Mitternacht trat ich in die dunkle Kälte hinaus und stand plötzlich in einem weichen, weißgrauen Meer aus Nebel-Wasser-Tropfen.
Im Schutze der nächtlichen Stille hatte sich der Abendnebel heimlich und auf leisen Pfoten durch unsere leeren Straßen in unsere Stadt eingeschlichen und verteilt. Er schwebte über Sträuchern, Bäumen und sogar hoch oben, über der Häuser schlafender Dächer und tauchte all das Umgebene, Vertraute, im Lichtschein der Straßenbeleuchtung, in ein surrealistisches Schein-Licht ein.
Der Rauch meiner Zigarillo löste sich wortwörtlich im Nebel… in Nebel auf.
Es war kalt und des Nebels Atem klebte feucht-nass auf meinem Gesicht.
Es war kein optimales QiGong Wetter, also blieb ich draußen, saugte das Laster in meine kranken Lungen ein und machte anschließend meine Übungen.
Bevor ich meine Augen schloss sah ich schwach leuchtende kleine Lichtpunkte über meinem Kopf schweben und wusste, dass dort oben – über der Nebel-Decke – der klare Sternenhimmel sein Licht in die einsame Schwärze der Unendlichkeit erstrahlen ließ.
Irgendwann, während meiner Übungen, fuhr ein Auto störend laut an unserem Haus vorbei und ich öffnete meine Augen. Die Kälte hatte Riesenlöcher in das grau-weiße Leib gerissen und jagte die Nebelschwaden durch die toten Straßen. Die nachtschwarze Schatten-Meute hetzte den letzten Nebelfetzen durch die Gassen in die Hinterhöfe hinterher, stellte und verschlang die Beute.
Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Ich ging in die warme Wohnung, machte die üblichen Meridianübungen und ging nach einer Stunde wieder hinaus.
Diesmal war der Himmel voller Sterne.
Hell erstrahlte die Nacht und genau im Zenit schwebte ER ( astronomisch nicht ganz richtig, klingt aber besser als, „in der Äquatorzone“ oder „fast im Zenit“ ): Orion und seine zwei Begleiter, Procyon und Sirius.
Der Orion ist zu dieser Jahreszeit, Mitternachtsstunde, unumstrittener Herrscher am Nachthimmel.
An seinem Gürtel hängt das kleine Schwert und dort in dem Bereich, den man Trapez nennt, kann man mit bloßem Auge den Orion-Neben sehen.
Der irdische, und der astrale Nebel waren in dieser Nacht meine zwei Begleiter.
Nebel QiGong | Amadeo, 09 Dezember 2008