journey of faith

„Café Noir und weiße Blüten”

Café Noir und weiße Blüten

„Ankunft Rom, 28.8“.
Der Zug hielt lustlos inne. Sie hob ihren Blick, sah durch das trübe Fenster in die laute Nacht hinaus und zuckte merklich zusammen. Sie war angekommen. Irgendwo dort draußen würde er auf sie warte. Sie legte das Buch mit dem ungewöhnlichen Namen, Café Noir, in dem sie mehr als die halbe Reisezeit über gelesen hatte, in ihre schwarze Beuteltasche, stand auf, trat in den engen überfüllten Gang und ließ sich in den lärmenden Armen der Menschenmenge in das Getöse der ewigen Stadt hinaus treiben.

Als wir uns das erste Mal begegneten kannten wir uns schon länger als zwei Jahre! Eines Tages öffnete ich ahnungslos die gemeinsame Türe und stand unverhofft vor ihrem vorwurfsvollen Blick.
Ihre laute, schrille Stimme funkelte mir entgegen. Worüber wir an jenem Tag sprachen (eigentlich sie zu mir sprach) war „nicht der Rede wert“, doch dass sie mit mir sprach war wertvoller als all das Reden!
Ich kannte weder ihren Namen noch wusste ich wer sie war. Ich sah in ihre Augen und ich sah Traurigkeit. Ich taufte und nannte sie Felicia.

Monat für Monat schlichen sich ein paar Tage aus unserer kostbaren Zeit.
Eines morgens sprach ich zu ihr und langsam wachte sie auf.
Ich fragte sie: „Wohin gehst du?
Sie setzte sich neben mich, an das Ufer meiner Farben, und antwortete: Ich gehe nirgendwohin. Ich bleibe hier an deiner Seite.”

Man sagt: „Der Weg ist das Ziel.
Die einen meinen, sie hätten ein Ziel vor Augen, und der Weg sei zeit-los ankommen.
Die anderen meinen, sie hätten einen Weg zu gehen, und das Ziel sei zeit-voll ankommen.
Doch der Zeit- und Raum-lose braucht weder Weg noch Ziel!

Man sagt: „Alle Wege führen nach Rom“.
Die einen meinen, sie wäre die Ewige Ankunft.
Die anderen meinen, Ankunft sei überall Rom.
Doch wenn Rom das Ziel, dann wehe dem, der Rom erreicht!

„Ankunft Rom, 28.8“, waren seine letzten Worte. Seine schmerzvollen Schritte führten ihn die Steintreppe hinauf. Dort oben angekommen legte er eine weiße Rose auf seine versteinerte Brüstung nieder.
Zwar heilt die Zeit alle Wunden die sie selbst gerissen, doch manchmal brennt der Schmerz der Narben heller als die verklärte Erinnerung selbst.

Café Noir | Amadeo, 2008

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