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„Lǐ Bái in einer stillen Nacht”

Lí Bái in einer stillen Nacht

Lǐ Bái, 李白, ( 701-762 ) war der bedeutendste Dichter der Tang Dynastie. Sein Name bedeutet „Weiße Pflaume”: , [ Lǐ ], Pflaume / , [ Bái ], weiß. Im Erwachsenenalter lautete sein Name, Tàibái, [ 太白 ], „Morgenstern”, laut einem Traum, den die Mutter vor der Geburt gehabt haben soll. Lǐ Bái war auch unter seinem Pseudonym, Qīnglián Jūshì, [ 青蓮居士 ], „Einsiedler vom Blauen Lotos”, bekannt. Sein Beinamen war, Shīxiān, [ 詩仙 ], „Unsterblicher der Dichtkunst”, und, Jiǔxiān, [ 酒仙 ], „Unsterblicher des Weins” !

Eines der bekanntesten Gedichte von Lǐ Bái ist „ Yèsī ” 夜思, „Nachtgedanken”. Das Gedicht ist auch unter dem Titel „ Jìngyèsī ” 靜夜思, „Gedanken in einer stillen Nacht” bekannt.
Der Dichter Lǐ Bái verwendet Silben Wörter, die er wie kleine Perlen, Edelsteine, Diamanten durchsetzt mit Kieselsteinen auf einen Seidenfaden, Seidenschnur aufreiht und eine Art Gefühls-Perlenkette erschafft.

Links: Originalvierzeiler bestehend aus je fünf Zeichen/ Wörter.
Mitte/ Rechts: Pinyin-Transkription ( Alphabetschrift ) und deutsche Übersetzung.
床前明月光 || Pinyin: chuáng – qián – míng – yuè – guāng = Bett – vor – hell – Mond – Strahl
疑是地上霜 || Pinyin: yǐ – shì – dì – shàng – shuāng = zweifeln – ist – Erde – auf – Frost
舉頭望明月 || Pinyin: jǔ – tóu – wàng – míng – yuè = heben – Kopf – blicken – hell – Mond
低頭思故鄉 || Pinyin: dī – tóu – sī – gù – xiāng = senken – Kopf – denken – alt – Heimat

Folgende Übersetzung stammt von Vincenz Hundhausen:
Vor meinem Bette spielt ein weißes Licht.
Ist es der Morgen schon? Ich weiß es nicht.
Und wie ich zweifelnd hebe mein Gesicht,
seh‘ ich den Mond, der durch die Wolken bricht.
Da muß ich mich zurück aufs Lager senken
und heimatlos an meine Heimat denken.”

Die chinesische Schrift ist ein Relikt aus längst verflossener Zeit. Trotzdem, oder gerade deswegen ist sie, entgegen der weit verbreiteten Meinung, leicht ( leichter ) zu lesen als man denken würde!
Ihre Zeichen ( Silben ) enthalten meistens mehrere Komponente, sogenannte Piktogramme, Ideogramme, Phonogramme, Radikale und Wort-Komponente, die im Vergleich zu einer Alphabet-Schrift, eine sichtbare, lesbare Botschaft enthalten und vermitteln. Diese Zeichen, Hàn Zì, sind eng mit jener Zeit verbunden, in der die Natur das Denken, Fühlen und die Sprache/ Schrift der Menschen auf der ganzen Welt prägte.

In meine Kalligraphie von 2009, ein Geburtstagsgeschenk für meine Nichte Iris, ist der Vierzeiler senkrecht mittig angeordnet und wird von rechts nach links, bzw. von oben nach unten, gelesen. Oben, auf der rechten Seite, steht der Titel, 靜夜思, [ Jìngyèsī ] und unten der Name des Dichters, 李白, [ Lǐ Bái ]. Auf der linken Seite befindet sich der Name, „Wasserdrache”, 水龙 [ Shuǐ lóng ], darunter mein rotes Sigel mit dem Traditionellen Chinesischen Zeichen, „Drache”, [ lóng ] sowie das Datum und die Widmung.

Lǐ Bái in einer stillen Nacht | Amadeo, 2009 / Kalligraphie, 27 Juli 2009

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