journey of faith

„Labyrinth”

Labyrinth

Es heißt, Sie sei in einer gedankenlosen Glaskugel eingesperrt und warte auf etwas ganz Bestimmtes. Aber niemand weiß, worauf, denn selbst diejenigen die ihr begegnet sind, haben es nicht herausfinden können.

Also, trete ich aus dem Labyrinth meiner Gedanken hervor, bündel meine Hoffnungen und mache mich ebenfalls auf den Weg, um die Wahrheit der Wahrheit herauszufinden. Meine himmlische Begleiterin wirft meinen Schatten in den hellen Tag, ihr jüngeres Geschwister erhellt meine Nacht. Beide werden mich zu ihr geleiten, denn dort, im Reich der Sterblichen, werde ich ihr bestimmt begegnen!

Die Ferne nähert sich Schritt für Schritt und langsam taucht ein seltsames Felsengebilde im Wüstensand auf.
Zehntausend Menschenkinder, angereist aus den vier Himmelsrichtungen, tummeln sich, wie Ameisen, zwischen den zahlreichen Felsbrocken die sie ( wie Sandkörner in Windeseile ) zu Würfelsteinen zurecht schleifen und auf einer Plattform mit quadratischer Grundfläche aufreihen. Oben im Zenit dieser Pyramide werden die vier Ecken zu einem imaginären goldenen Punkt zusammenlaufen und verschmelzen.

Ich setze mich auf einen kleinen Felsbrocken unweit dieses Treibens und beobachte sie bei der Arbeit.
Die Zeit schlendert teilnahmslos an mir vorbei, bleibt vor der Grundstein Reihe der ersten Steinebene stehen und fragt neugierig den ersten Eckstein: „Was machst du da?“
Der Stein antwortet: „Ich stütze und trage die nächste Steinebene.“
Die Zeit fragt: „Warum?“
Der Stein antwortet: „Ich weiß es nicht, aber wenn du morgen wieder vorbeikommen, frage doch bitte den, den ich morgen tragen werde, vielleicht weiß er, warum oder weshalb!“

Tag für Tag erscheint die Zeit, fragt und geht wieder. Keiner der Steine kann ihre Frage beantworten.
Am letzten Tag, als der letzte Stein gesetzt wird, taucht die Zeit wieder auf, schwebt zur Spitze empor und fragt die goldene Nadel: „Was machst du da oben?“
Der Pharao antwortet: „Ich throne auf meines Volkes Fleisch.“
Die Zeit fragt: „Wieso?
Der Mensch-Gott antwortet: „Weil ich der Sinn ihres Daseins bin“.
Die Zeit fragt: „Wieso du?“
Der Gott-Mensch antwortet: „Weil ich ihnen die Wahrheit offenbart habe!“
Die Zeit fragt: „Welche Wahrheit meinst du?“
Aber der tote Mann kann nicht antworten.

Die Zeit fragt die vier Steine unter dem Schlussstein: „Welche Wahrheit meint er?“
Sie antworten gemeinsam: „Unsere Wahrheit.“
Die Zeit lächelt und vergeht…

Ich erhebe mich, trete näher. Auch ich möchte die Wahrheit, und den geheimnisvolle Sinn, des unteren, ersten, Ecksteins ergründen. Was ich sehe, lässt meine Frage verstummen.
Der Eckstein ist, wie alle anderen Steine, selbst eine kleine Pyramide!

* * *

Eigentlich sollte mein Dreieck die Form der Pyramide generieren, die wiederum Vorlage für meine kritischen Betrachtung über jede diktatorischen Gesellschaftsstruktur werden sollte! Aber bei allem Respekt vor meiner Wut und meinem Zorn, die sich in meinen schreibenden Fingerspitzen aufgestaut haben, hänge ich schmunzelnd an dem kleinen Eckstein Bild fest und versuche, mein Gedanken Bild zu ergründen und zu verstehen!

Labyrinth | Amadeo, 2009

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